Shopify ist das System, bei dem sich Befunde in Audits am stärksten wiederholen — nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es Entscheidungen trifft, die niemand bewusst getroffen hat. Die Produktadresse, die robots.txt, das Markup: alles kommt aus Theme und Standardeinstellungen, und beides wächst mit jeder App weiter.
Die gute Nachricht: Die Fallen sind bekannt, die Reparatur ist Konfigurations- und Theme-Arbeit, keine Programmierung eines neuen Shops. Hier die sechs, die ich fast immer finde.
Sechs Fallen, die fast jeder Shopify-Shop hat
Zwei Adressen für ein Produkt
Shopify liefert jedes Produkt unter /products/… und zusätzlich unter /collections/…/products/…. Das Canonical zeigt meist richtig auf die kurze Adresse, aber die interne Verlinkung aus den Kollektionen nutzt die lange. Google bekommt so Hunderte Signale auf Adressen, die es nicht indexieren soll.
Tags und Sortierung als Kopien
Jeder Tag-Filter (/collections/alle/tagname) und jede Sortierung (?sort_by=…) erzeugt eine crawlbare Kopie der Kollektion. Ohne Regel in der robots.txt.liquid verbrennt der Crawler hier Zeit, die deinen Produkten fehlt.
Die Standard-robots.txt
Seit 2021 lässt sich die robots.txt über robots.txt.liquid anpassen. Die meisten Shops laufen trotzdem mit dem Standard — der sperrt sinnvoll Warenkorb und Suche, kennt aber deine Filter, Tags und KI-Crawler nicht.
Apps, die den Hauptthread blockieren
Bewertungs-Widgets, Pop-ups, Tracking, Größenberater: Jede App bringt eigene Skripte mit, oft auf jeder Seite. Das schlägt direkt auf INP und LCP durch — die Felddaten, mit denen Google bewertet.
Markup aus dem Theme, nicht aus dem Shop
Ob dein Produkt-JSON-LD Preis, Verfügbarkeit, GTIN und Varianten enthält, entscheidet das Theme, nicht Shopify. Viele Themes liefern ein Minimum, manche Apps schreiben ein zweites, widersprüchliches Markup daneben.
Kollektionstexte, die niemand liest
Der eine Absatz Beschreibung, den viele Themes über oder unter dem Raster zeigen, ist die einzige Textfläche der Kategorie. Meist steht dort nichts, was eine Frage beantwortet — für die klassische Suche wie für KI-Antworten gleichermaßen verschenkt.
Warum die Produktadresse das Fundament ist
Die erste Falle ist die wichtigste, weil sie alle anderen verstärkt. Ein Produkt, das unter fünf Kollektionspfaden verlinkt ist, verteilt seine internen Signale auf fünf Adressen. Das Canonical repariert das für Google zum Teil, aber eben nur zum Teil: Der Crawler folgt trotzdem jedem Link, und jede Kopie kostet Zeit aus dem Budget, das dein Shop bei Google hat.
Die Reihenfolge, in der du es behebst
Jeder Schritt wirkt auf alle Seiten des Shops, deshalb in dieser Reihenfolge — die ersten drei sind an einem Nachmittag erledigt:
robots.txt.liquid anpassen
Sortier- und Filterparameter sowie Tag-Adressen vom Crawl ausschließen, KI-Crawler bewusst regeln. Vorher prüfen, was tatsächlich im Index ist — nicht blind sperren.
Interne Links auf die kurze Produkt-URL
Im Theme die Produktlinks in Kollektionen auf /products/… umstellen, statt auf die Kollektionspfade. Ein Eingriff im Theme-Code, der die Signale bündelt.
Produkt-Markup vervollständigen
Preis, Währung, Verfügbarkeit, GTIN oder SKU, Marke, Versand, Rückgabe — je Variante mit eigener URL. Wenn das Theme das nicht liefert, gehört ein sauberes JSON-LD ins Theme, nicht eine weitere App.
Apps ausmisten
Jede App im Shop gegen die Frage stellen: Bringt sie mehr Umsatz, als sie Ladezeit kostet? Was bleibt, nur auf den Seiten laden, auf denen es gebraucht wird.
Kollektionen als Antwortseiten
Die Kategorietexte auf die Fragen ausrichten, die Kunden vor dem Kauf stellen: Unterschiede, Größen, Einsatz. Kurz, konkret, mit Fakten aus dem Sortiment.
Felddaten beobachten
Nach jeder Änderung die Core Web Vitals in den Felddaten verfolgen, nicht im Labor-Score. Erst nach vier Wochen zeigt sich, was Google wirklich sieht.
Was Shopify von sich aus gut macht
Damit die Liste nicht wie eine Anklage klingt: Shopify liefert saubere Sitemaps, schnelle Server, automatische hreflang-Angaben über Markets, eine Weiterleitungsverwaltung und ein Theme-System, in dem sich alles Genannte beheben lässt, ohne den Shop zu wechseln. Die Probleme entstehen nicht durch das System, sondern durch das, was über die Jahre daran angebaut wird.
Kurzfassung: Shopify-SEO ist zu großen Teilen Aufräumarbeit: Produktadressen bündeln, Filter- und Tag-Kopien aus dem Crawl nehmen, Apps reduzieren, Markup aus dem Theme vervollständigen, Kollektionen zu Antwortseiten machen. Keine SEO-App ersetzt einen dieser Schritte — und gemessen wird am Ende in den Felddaten, nicht im Labor.
In zwei Minuten prüfen, was dein Theme ausgibt
Ob Preis, Verfügbarkeit, GTIN und Varianten im Markup deiner Produktseite stehen, musst du nicht im Quelltext suchen. Eine Produktadresse eingeben, der Check liest das JSON-LD und vergleicht es mit Googles Anforderungen für Händlereinträge.