Die llms.txt ist eine Textdatei im Hauptverzeichnis einer Website — analog zur robots.txt —, die Sprachmodellen in Kurzform erklärt, worum es auf der Website geht und wo die wichtigsten Inhalte liegen. Der Vorschlag stammt aus dem Herbst 2024 und wird unter llmstxt.org gepflegt.
Seitdem hat sich die Datei zu einer Art Glaubensfrage entwickelt. Die einen legen sie reflexartig an, die anderen halten sie für wirkungslos. Beide haben teilweise recht. Dieser Artikel sortiert das — mit Googles eigener Aussage, mit dem, was ich bei Kunden vorfinde, und mit einer Vorlage, die du übernehmen kannst.
Was Google dazu sagt — wörtlich
Google hat in seinem Leitfaden zu KI-Funktionen in der Suche eine klare Aussage veröffentlicht:
„You don't need to create new machine readable files, AI text files, markup, or Markdown to appear in Google Search (including its generative AI capabilities), as Google Search itself doesn't use them.“
Google Search Central, Leitfaden „AI features and your website“
Das ist eindeutig. Für Google-Rankings, KI-Übersichten und den KI-Modus ist die llms.txt irrelevant. Sie wird nicht gelesen. Wer dir die Datei als SEO- oder GEO-Maßnahme für Google verkauft, verkauft dir etwas, das Google selbst als wirkungslos bezeichnet.
Wer die Datei trotzdem liest
Die llms.txt wurde nicht für Suchmaschinen entworfen, sondern für Agenten: Systeme, die im Auftrag eines Nutzers eine Website aufrufen und verstehen müssen, was sie vor sich haben. Drei typische Fälle:
Coding-Assistent
ruft die Dokumentation einer Bibliothek ab, statt zwanzig Seiten zu parsen.
Recherche-Agent
vergleicht Anbieter im Auftrag eines Nutzers und braucht schnell die Eckdaten.
Einkaufs-Agent
erkundet einen Shop: Sortiment, Lieferbedingungen, wofür die Marke steht.
Solche Systeme profitieren von einer kompakten Zusammenfassung, weil sie sonst dutzende Seiten laden und selbst zusammenfassen müssten. Ob sie deine Domain je ansteuern, hängt von deinem Geschäft ab: Bei Software-Dokumentation, Produktkatalogen und Fachanbietern ist es wahrscheinlich. Bei einer Handwerker-Website eher nicht.
Lighthouse 13.2 · Kategorie „Agentic Browsing“
Was Googles Prüfwerkzeug an der llms.txt kontrolliert
Seit Frühjahr 2026 misst Lighthouse, wie gut eine Website für KI-Agenten nutzbar ist. Einer der Prüfpunkte ist die llms.txt. Bestanden ist sie, wenn:
- Datei ist erreichbar (HTTP-Status 200)
- Inhalt ist nicht leer (mindestens 50 Zeichen)
- Eine Markdown-Überschrift (# …) ist vorhanden
- Mindestens ein Markdown-Link ist enthalten
Das erzeugt keinen Ranking-Effekt. Es zeigt aber, dass Google die Datei als Signal für Agentenfreundlichkeit ernst nimmt — auch wenn die Suche sie nicht nutzt.
Das Problem mit automatisch erzeugten Dateien
Mehrere Shopsysteme legen die llms.txt inzwischen automatisch an. Was ich dabei in Audits vorfinde, ist ernüchternd: Die Datei enthält ausschließlich Standarddokumentation des Systems — Wort für Wort identisch mit jedem anderen Shop auf derselben Plattform.
Automatisch erzeugt
## Cart API
## Checkout endpoints
## Agent instructions
## Payment methods
## Rate limits
… 800 Zeilen Systemdoku. Kein Wort über den Shop.
Selbst geschrieben
# [Marke]
> GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, seit 2015
## Wer — Gründer, Standort, Belege
## Angebot — 10 Links mit je einem Satz
## Kontakt
… 20 Zeilen. Ein Agent weiß, warum er dich empfehlen sollte.
Ein KI-System erfährt aus der linken Datei, wie es bei dir kauft — aber nicht, warum es dich empfehlen sollte. Das ist die eigentliche Lücke, und sie lässt sich mit zwanzig Zeilen schließen.
Was in eine gute llms.txt gehört
Das Format ist bewusst einfach: Markdown, eine Überschrift, ein zusammenfassender Absatz, dann Abschnitte mit Links und je einem Satz Kontext. Drei Regeln aus der Praxis:
Substanz statt Keywords
Was bist du, wofür stehst du, was unterscheidet dich? Ein Sprachmodell braucht Fakten, keine Schlagwörter. „Nachhaltige Mode“ sagt nichts; „GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, Produktion in Portugal, seit 2015“ sagt alles.
Wenige Links, jeder mit Kontext
Nicht die ganze Sitemap, sondern die zehn bis zwanzig Seiten, die dein Angebot tragen — mit einem Satz, was dort steht.
Pflegen wie eine Über-uns-Seite
Preise, Leistungen, Standorte ändern sich. Eine veraltete llms.txt ist schlimmer als keine, weil ein Agent sie für aktuell hält.
Vorlage zum Kopieren
Ersetze die Platzhalter, streiche Abschnitte, die auf dich nicht zutreffen, und lege die Datei als /llms.txt im Hauptverzeichnis ab:
# [Unternehmensname]
> [Ein Absatz: Was ihr seid, für wen, seit wann, was euch unterscheidet.
> Fakten, keine Adjektive.]
Sprache der Website: Deutsch. Zielgruppe: [wer].
## Wer
- [Gründer/Inhaber, Qualifikation, seit wann]
- [Standort, Liefergebiet, Sprachen]
- [Belege: Zertifizierungen, Auszeichnungen, Referenzen — nur nachprüfbare]
## Angebot
- [Leistung/Produktgruppe 1](https://…): [Ein Satz, was das ist und für wen]
- [Leistung/Produktgruppe 2](https://…): [Ein Satz]
## Preise
- [Preisseite](https://…): [Preismodell in einem Satz, falls öffentlich]
## Kontakt
- E-Mail: [adresse]
- [Kontaktseite](https://…)
## Optional
- [Impressum](https://…)
- [Datenschutz](https://…) Ein reales Beispiel kannst du dir unter evergrowsolution.de/llms.txt ansehen — so sieht die Datei für diese Website aus.
Pflicht und Kür: strukturierte Daten vs. llms.txt
Die llms.txt ist eine Ergänzung für einen kleinen Kreis von Agenten. Das, was Google, Bing und die meisten KI-Systeme tatsächlich lesen, steht auf den Seiten selbst — als Schema.org-Auszeichnung. Der Vergleich:
| Strukturierte Daten — Pflicht | llms.txt — Kür | |
|---|---|---|
| Wer liest es | Google, Bing, KI-Übersichten, die meisten KI-Systeme | Einzelne Agenten und Tools, die gezielt danach suchen |
| Wirkung in der Google-Suche | Grundlage für Rich Results und besseres Seitenverständnis — kein Rankingfaktor | Keine, laut Google ausdrücklich |
| Wo es steht | Auf jeder Seite, im HTML (JSON-LD) | Eine Datei im Hauptverzeichnis |
| Aufwand | Systemabhängig, oft Entwicklerarbeit | Zwanzig Zeilen Text, eine Stunde |
| Priorität | Zuerst | Danach — wenn die Pflicht steht |
Kurzfassung: Für Google bringt die llms.txt nichts, das sagt Google selbst. Für Agenten kann sie nützlich sein — wenn drin steht, was dein Unternehmen ausmacht, und nicht nur, wie das Shopsystem funktioniert. Zwanzig Zeilen Substanz, gepflegt wie eine Über-uns-Seite. Die strukturierten Daten auf den Seiten bleiben die Hauptsache.
Wie ich das in Audits prüfe
Drei Handgriffe, die du selbst machen kannst:
Existiert sie?
deine-domain.de/llms.txt aufrufen. 404 ist kein Fehler — aber ein leerer oder generischer Inhalt ist einer.
Steht dort etwas über dich?
Marke, Angebot, Belege — oder nur Systemdokumentation, die jeder andere Shop auf derselben Plattform auch hat?
Deckt sie sich mit den strukturierten Daten?
Dieselben Fakten müssen im JSON-LD der Startseite stehen. Wenn nicht, ist das der Punkt, an dem du anfängst — nicht bei der Textdatei.